Teil 5 unserer Geschichten aus dem Bunten Land

Wer lässt (fast) alles mit sich machen ... und strahlt dabei wie eine Sonne? Zumindest so lange es trocken und hell ist. Sonst schließt sie einfach schützend ihre Blüte und wartet geduldig auf eine neuen Tag...  

 

 

Gänseblümchen 

„Menno! Dass die Großen aber auch ständig Rasenmähen müssen!“ Genervt sieht Paul sich um. „Letzte Woche war hier noch alles bunt! Und jetzt?“ Das Gras ist nur noch ein paar Zentimeter hoch, weit und breit blüht kein Löwenzahn, kein Gundermann und kein Wiesenschaumkraut mehr.“

 „Wenigstens gibt es noch ein paar Gänseblümchen!“ Freda zeigt auf die kleine Pflanze mit den weißen Blüten und dem gelben Punkt in der Mitte. „Ich habe mal gehört, dass die so heißen, weil selbst Gänse sie nicht fressen. Aber, dass auch der Rasenmäher sie stehen lässt, hätte ich nicht gedacht“. 

Tobi zuckt die Achseln. „Vielleicht sind das schon wieder neue? Wie lange wohl so ein Blümchen braucht, um zu wachsen?“

 

 

Interessiert betrachten die Kinder die Pflanze. Sie haben sie zwar schon tausendmal gesehen … aber irgendwie noch nie so richtig untersucht.

„Guckt mal, die Blätter sind so nah am Boden, dass ein Rasenmäher sie vermutlich nicht einmal erwischt“, meint Mio.

„Und wenn du genau hinschaust, siehst du, dass der gelbe Punkt in der Mitte aus ganz vielen kleinen Blüten besteht… und jede von denen bildet später einen Samen!“ 

Ja? Der gelbe Punkt besteht aus lauter Einzelteilen? Schwupps - hat jedes der Kinder ein eigenes Gänseblümchen in den Fingern, um sich das ganz genau anzusehen.

 

 

„Meine Oma sagt übrigens nicht Gänseblümchen, sondern Tausendschön dazu,“ erzählt Freda.

„Weil es so viele davon gibt?“, fragt Paul und rupft noch eine paar weitere raus. Er beginnt aus den Blümchen eine Kette zu flechten.

„Meine Oma nennt sie Sonnenblümchen“, wirft Tobi ein. „Weil sie sich wie die großen Sonnenblumen immer der Sonne zudrehen“.

„Und abends machen sie ihre Blüten zu“, weiß Paul. „Deswegen heißen sie auf Englisch auch irgendwas mit „Day“, also Tag.“ Er sucht nach dem ganzen englischen Wort. „Daisy!“

Während die Kinder quatschen, entstehen Kronen, Armbänder, Ketten … eine ganze Gänseblümchen-Galerie.

Bis Mio plötzlich ruft: „Ups! Das war das letzte. Jetzt ist der Rasen nur noch grün.“

 

 

Tobi erschrickt. „Ob es ok war, dass wir die Blümchen einfach alle rausgerissen haben? Schließlich können sie jetzt gar nicht mehr weiterwachsen.“

„Und unsere Kunstwerke halten höchstens einen Tag, dann verrotten sie“, gibt Paul zu bedenken.

„Aber, wenn wir sie hier liegen lassen, werden bald tausend neue Tausendschöne daraus!“, meint Freda.

Die anderen schauen sie groß an. Wie jetzt?

„Na, aus den vielen, vielen kleinen Blüten werden doch wieder Samen. Und wenn die nicht mit dem Rasenschnitt zusammen auf dem Kompost landen, sondern hier verrotten, haben wir bald wieder Nachschub, oder?“

 

 

 

» Mhm … was meint ihr?

Werden aus den rausgerupften Blümchen automatisch neue?

Welche Bedingung muss erfüllt sein, damit das klappt? «