Teil 7 unserer Geschichten aus dem Bunten Land
Wer ist saftig wie eine Stachelbeere - aber piekst nicht so? Wer ist fruchtig-herb wie eine Johannesbeere - aber viel, viel größer? Auf welche Beeren lohnt sich im Juli die Jagd besonders?

Jostabeere
Der Sommer nähert sich seinem Höhepunkt und der Garten ähnelt inzwischen einem Dschungel.
„Kommt, wir suchen Bären!“, schlägt Mio vor.
„Du immer mit deinen Bären“, murrt Paul. „Welche sollen es denn heute sein? Schwarzbären, Braunbären. Grizzlybären?“
„Josta-Beeren!“, erklärt Mio geheimnisvoll.
„Jo-was?“, fragt Paul mit großen Augen.
Lachend führt Mio ihn quer durchs Gestrüpp und zeigt ihm schließlich etwas, das Paul nie zuvor gesehen hat. Es ist rund und klein wie ein Legokopf, dunkelrot und trägt einen interessanten schwarzen Hut.
„Jo-sta!“ wiederholt Mio langsam, dann steckt er sich schnell eine der kleinen Beeren in den Mund und schwupps - ist sie weg.

“Also, ich kenne Johannisbeeren“, sagt Paul. „Und Stachelbeeren. Aber Jostabeere? Noch nie gehört!“
Mio grinst. „Na, das ist eine Mischung aus den beiden. Nicht so stachelig wie die Stachelbeere. Und nicht so sauer wie eine Johannisbeere. Man nennt sie auch Jochelbeere. Oder Jocheline“.
„Klingt fantastisch. Mal gucken, wie sie schmeckt!“ Paul schnappt sich eine und kaut vorsichtig darauf herum.
Interessiert fragt Mio: „Und?“
Paul zuckt die Achseln. „Mmh“
„Ist das ein Mhm-Lecker? Oder ein Mhm-weiß-nicht?“, fragt Mio zurück.
„Mhm“, macht Paul nochmal.
„Also mir sind die ein bisschen zu sauer“, schaltet Tobi sich ein.
„Und mir ein bisschen zu süß!“, ,lacht Freda.
„Tja, Geschmäcker sind halt verschieden!“

„Und, weil das so ist, versuchen die Leute auch schon seit ewigen Zeiten, sich Früchte zu erfinden, die perfekt zu ihrem Geschmack passen“, erklärt Mio.
„Früchte erfinden? Super Idee! Lasst uns eine Banapfel erschaffen!“, lacht Freda. „Oder eine Himmelone!“
Tobi stimmt mit ein: „Ich wünsche mir eine Kiwananas!“
„Naja, so ganz frei nach Schnauze klappt das leider wohl nicht. Erinnert ihr euch an die vergeblichen Experimente mit den Erdbeeren? Damit sich zwei Pflanzen kreuzen lassen, brauchen sie genug Ähnlichkeit – so wie Freunde, die dieselbe Sprache sprechen“, gibt Mio zu bedenken. „Beide müssen zur selben Zeit blühen, sonst können sie sich gar nicht treffen. Der Pollen der einen Pflanze muss in die Narben der anderen passen – wie ein Schlüssel ins Schloss“.

„Und wie willst du die Bienen überreden, dass sie den Blütenstaub zu genau der Pflanze bringen, die du für die Kreuzung ausgesucht hast?“, foppt Paul seinen Freund.
„Ach, das kann man auch per Hand machen.“ Beherzt greift Mio in die nächsbeste Blüte. Sie gehört einer roten Ringelblume. Mio streift über den Punkt in ihrer Mitte. Und tatsächlich klebt an Mios Fingern nun ein wenig Blütenstaub. Den verteilt er auf die Narben der gelben Ringelblune daneben. „So, ich wette, aus dem Samen, der da jetzt entsteht, werden später orange Blumen!“

«Ob das Kreuzungsexperiment wohl klappt?
Wenn ja, wie genau?
Und was hat das eigentlich mit Narben zu tun?
Welche Pflanzen würdest du gerne mal kreuzen?»