Teil 3 unserer Geschichten aus dem Bunten Land...
Welche Pflanze lieben die Piraten?
Nicht nur, weil sie wie ein Seestern leuchtet, sondern ihnen auch oft genug das Leben rettete…

Scharbockskraut
„Ahoi, ihr Landratten! Bereit für die nächste Entdeckungsreise?“
Statt der gewünschten Begeisterungsschreie erntet Tobi bei seiner Piraten-Crew nur ein lahmes Gähnen. Was ist denn los hier?! Allgemeine Frühjahrsmüdigkeit?
„Auf, auf - da draußen warten jede Menge Abenteuer!“ Tobi will über die sieben Weltmeere segeln, den Südwind kapern, längst vergessene Schätze heben!

Doch seine Crew hat keine Lust. Tobi hat eine Idee, woran das liegen könnte: Skorbut!
„Skorbut? Was soll das denn sein?!“, fragt Mio gähnend.
„Eine gefährliche Seefahrer-Krankheit, die schon ganze Besatzungen dahingerafft hat“, erklärt Tobi aufgeregt: Vitamin-C-Mangel!“

Oha! Mio sieht beeindruckt aus, Freda hebt skeptisch eine Augenbraue. „Das hat dir doch bloß deine Mama erzählt, damit du mehr Obst ist.“
Entrüstet entgegnet Tobi: „Von wegen! Das steht in meinem Piratenhandbuch: Früher sind sie auf den Segelschiffen reihenweise umgekippt, weil sie nicht genug Obst und Gemüse hatten. Zum Glück gibt es aber ein Gegenmittel!“

Aufgeregt sieht Tobi sich um, juchzt dann plötzlich auf und rupft eine der vielen gelben, kleinen Blüten raus, die am Bachufer wachsen.
„Ein paar kluge Matrosen haben entdeckt, dass es Ihnen besser geht, wenn sie diese Pflanze hier essen“. Feierlich hält Tobi das Blümchen hoch. Es leuchtet wie ein Stern. „Das ist Scharbockskraut. Echte Piraten futtern die eimerweise, um ihren Skorbut zu besiegen!“
„Von wegen“, meldet sich sein großer Bruder zu Wort. „Wenn man dein Blümchen da eimerweise futtert, beißt man ins Gras.“ Paul erklärt weiter: „Sobald Scharbockskraut blüht, ist es giftig. Man darf die Blätter nur essen, bevor sich der Stern zeigt. Im Übrigen nennt man die Pflanze auch Feigwurz.“
„Na, dann auf, ihr Feigwurze!“, ruft Freda. „In alle Richtungen ausschwärmen und unverblümtes
Scharbockskraut suchen! Sonst schlafen wir hier bald für immer ein…“

Das Piratenteam macht sich auf die Socken. Naja, genau genommen zieht einer von ihnen die Socken aus. Paul ist plötzlich überzeugt, dass echte Piraten nur barfuß auf Expedition gehen. In Wirklichkeit hat er einfach festgestellt, dass seine Stiefel nicht mehr dicht sind, als er übermütig in den Bach gesprungen ist. Jetzt ist er jedenfalls wach. Endlich voll im Frühling angekommen.

Es ist gar nicht so leicht, die richtigen grünen Blätter zu finden. Es gibt so viele davon! Und auch gelbe Blümchen sind um diese Jahreszeit alles andere als selten. Wo genau liegen denn die Unterschiede?
„Auf jeden Fall darf man nix essen, dass man nicht ganz genau erkennt“, sagt Paul. „Viele dieser gelben Blumen sind Hahnenfußgewächse ... und die sind alle giftig. Auch das Scharbockskraut, aber im Gegensatz zu seinen Verwandten sind die Blätter da OK, bevor sich die ersten Blüten zeigen.“

Interessiert studiert Tobi die Pflanze genauer: „Die Blätter sehen ein bisschen aus wie kleine Herzen. Und sie glänzen irgendwie. Ich versuche mir das fürs nächste Jahr mal zu merken. Aber essen werde ich sie vorsichtshalber erst, wenn Mama das absegnet.“
„Also, ich bin kein Hasenfuß“, blödelt Mio. Und stopft sich eine große gelbe Blüte in den Mund.
„Hey – spinnst du?!“ ruft Freda und sieht ehrlich besorgt aus.
Da lenkt Mio schnell ein: „Keine Bange! Wenn ich eine gelbe Blume hundertprozentig erkennen kann, dann diese hier…“

Na, was sagt ihr: Welche ist das?
Fallen euch noch andere essbare Wildpflanzen ein?
Und welche sollte man auf keinen Fall essen?
Einen tollen Überblick zu essbaren Wildpflanzen findest du hier