Teil 2 unserer Geschichten aus dem Bunten Land...
Welchen Strauch lieben Mäuse? Weil er leckere Nüsse liefert und man sich darin prima verstecken kann!

Die Hasel
Freda entdeckt hinten im Garten die ersten Haselblüten. Wie flauschig die sich anfühlen! Freda reibt
sie zwischen ihren Fingern, bis sich der gelbe Samen löst. Dann wedelt sie einige der Kätzchen durch die Luft, lässt sie über das Gesicht tanzen. Ihre Hände gleiten über die glatten Äste und das gemütliche Nest, das sie formen. Ach, hier kann man fantastisch rumhängen!

Ab jetzt verschwindet Freda so oft wie möglich in den Haselnusssträuchern, die den Garten von den Feldern dahinter abgrenzen.
Doch eines diesigen Tages im Februar verkündet Papa: „Die Sträucher hier müssen wir fällen. Wir brauchen endlich einen vernünftigen Zaun, damit die Rehe nicht mehr ständig in unserem Gemüsebeet herumtrampeln!“
Freda ist entsetzt: Sie will, dass ihr Unterschlupf bleibt! Und sie freut sich auch über jedes Tier im Garten.

Traurig erzählt Freda ihren Freunden von der Sache. Mio seufzt, Paul gräbt die Hände in die Hosentasche. Was sollen sie nur tun?!
Tobi hat einen Gedankenblitz: „Wir holen unseren Opa, der hat die Lösung!“

Der alte Mann lacht sich kaputt, als er hört, dass die Haselnusssträucher verschwinden sollen, damit an ihre Stelle ein Zaun gebaut werden kann. „Haselnusssträucher sind doch selbst die besten Zäune der Welt! Zumindest, wenn man sie flechtet!“
Freda staunt. Bisher dachte sie, man könnte nur Haare flechten. Opa lacht über die verwirrten Gesichter. „Na, dann will ich euch mal in eine alte Handwerkskunst einweihen, die lebende Zäune entstehen lässt: Die sogenannten Flechthecken.“

Dann erzählt er, dass sie früher mit der Hasel Viehweiden umschlossen haben. „Das war nicht nur günstig und hübsch, sondern auch super für die Tiere. Und zwar nicht nur für die Weidetiere, sondern auch für Vögel, Insekten und kleine Säuger“.
Flechthecken bieten nämlich beste Futter- und auch Nistmöglichkeiten - zum Beispiel für den Wiesenpieper, einen schlaksigen Vogel mit langen Beinen und herrlichem Gesang.
„Leider ist er vom Aussterben bedroht, weil es heute nicht mehr so viel dichtes Gebüsch und wilde Ecken gibt wie früher“, erklärt der Opa. „Genau wie das Haselhuhn oder die Haselmaus, ein knuffiger Gesell, der den Großteil des Jahres nichts als in Ruhe schlafen will“.
„Das kann ich verstehen!“ sagt Fredas Papa. Die Kinder grinsen: „Na, klingt doch, als wäre allen geholfen, wenn wir aus den Haselsträuchern hier eine Flechthecke machen!“

Schon am nächsten Wochenende werkeln sie unter der Anleitung von Tobis Opa gemeinsam los. Erst erschrickt sich Freda darüber, dass als erstes einige ihrer Lieblingsäste abgeschnitten werden.
„Aber die wachsen wunderbar nach,“ erklärt der Opa.

„Und man kann tolle Sachen damit machen“, ruft Paul und formt aus den Zweigen einen Flitzebogen. Dann zeigt der Opa, wie man den magischen Weidenknoten macht, der die Haselruten an die richtige Stelle drückt – ganz ohne Metall oder Plastik. So entstehen drei Etagen … auf denen man auch super herumklettern kann!

Nicht nur Freda ist begeistert. Auch der Rest der Bande findet die Flechthecke wunderbar: Sowohl zum Spielen als auch um Tiere zu beobachten!
Was meint ihr, wer sich hier alles versteckt?
Welche Tiere nisten in Hecken und finden hier Unterschlupf?
Welche Pflanzen schützen sie vorm Aussterben?

Weiterführende Informationen zu den Flechthecken unter:
Nieheimer Flechthecke - Immaterielles Kulturerbe formt Kulturlandschaft